Bereits im letzten Jahr...

...erhielten wir die Einladung zur Sardinenjagd nach Concarneau (bretonisch: Konk Kerne) in die Bretagne. Hier schmeckt die Luft nach Salz und Wind. Die Gesichter sind ehrlich und wettergegerbt. Und wer sich aufs Wasser wagt, sollte das Zeug dazu haben.

Seit Edouard Michelin, damaliger Chef des weltgrößten Reifenherstellers, 2006 unter ungeklärten Umständen beim Hochseeangeln vor der bretonischen Küste ums Leben kam, ist es nicht mehr so einfach, an einer Fangfahrt teilnehmen zu dürfen. Die meisten Kapitäne scheuen sich, Fremde an Bord zu nehmen. Und auch uns geht beim Gedanken, neun lange Stunden auf der War Raog IV zu verbringen, die Muffe. Der Atlantik ist ein rauer Geselle, dem man seine Früchte mit harter Hand abringen muss. Und mit seefestem Magen.

Sardinenjagd in der Bretagne
Sardinenjagd in der Bretagne
Sardinenjagd in der Bretagne
Sardinenjagd in der Bretagne
Sardinenjagd in der Bretagne
Sardinenjagd in der Bretagne

Den Mutigen gehört das Meer

Das Meer ruft uns mit einer knisternd salzigen Brise, die uns die Lippen benetzt, als wir auslaufen. Während Kapitän Patrice ins Fanggebiet steuert, bereiten seine sechs Männer die Jagd vor. Gejagt wird mit Ringwaden, einem ringförmig ausgelegten Netz, das den Sardinenschwarm einkesselt. Nach dem Einkreisen wird das Netz unten zugezogen, und die beiden Enden werden an Deck gehievt. Und wir lernen die entscheidende Jagdwaffe der bretonischen Fischer kennen: Abwarten. Patrice verlässt sich seit 25 Jahren in erster Linie auf sein Gespür, um einen der vielen Sardinenschwärme zu orten.

Gischt, Schweiß und salzige Tränen

Sehr lange müssen wir uns an diesem Tag allerdings nicht gedulden. Patrice drosselt unvermittelt den Motor und starrt gebannt auf seinen Echolot-Monitor. Sein siebter Sinn hatte recht. Als plötzlich ein schriller Ton erklingt, rennen alle Fischer auf ihre Plätze. Einer von ihnen, Hugo, wirft die Boje ins Meer. Er steht direkt unter dem Greifarm, der das Netz einholt. Salzwasser peitscht den Männern wie Nadelstiche ins Gesicht. Hugo steht seit geschlagenen fünf Minuten im Salzwasserfall, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, die Hand an der Maschine. Ein Knochenjob! Bevor die Ringwade an Bord gehievt wird, fischt sein Kollege Maurice einige Sardinen aus dem Netz, um sie zu begutachten. Ein verschmitztes Grinsen, dann schnellt sein Daumen nach oben – perfektes Kaliber. Kapitän Patrice erzählt, dass jetzt die beste Zeit für den Sardinenfang ist. Die Tiere haben sich den Sommer über vollgefressen und wiegen bis zu 250 Gramm. Ideal für die Jagd. Ideal für den Teller.

„Das allerbeste Brot wird mit Schweiß verdient.“

Bretonisches Sprichwort

Der süße Lohn des Tages: Perlen des Salzwassers

Das Netz wird mit einem großen Fangkorb geleert, die Sardinen landen in Eisbehältern. Als wir schon glauben, der erste Höhepunkt der Jagd sei vorbei, erfasst eine Windböe die War Raog IV. Der Fangkorb gerät ins Schlingern und einer der Männer muss blitzschnell ausweichen, um nicht k.o. zu gehen. Ein paar Sekunden lang starren wir angespannt übers Deck. Doch von der Crew zuckt niemand auch nur mit der Wimper. Ganze vier Male sind wir an diesem Tag erfolgreich. Unsere Ausbeute: knapp 4 Tonnen fangfrische Sardinen!

„Kenavo!“

Es ist dunkel geworden, als wir in Richtung Heimathafen schippern. Nach dem Anlegen werden die Sardinen selektiert und der Beifang – ein paar wenige Doraden und Knurrhähne – wird aussortiert. Patrice nimmt einige Fische mit dem Messer aus und legt sie zur Seite. Sein Mittagessen für morgen. Bevor wir uns verabschieden, nähern sich zwei alte Damen dem Boot. Claude und Emily haben die 70 bereits weit überschritten. Man kennt sich. Patrice füllt ihre mitgebrachten Plastiktüten großzügig mit frischem Fisch. Und dann, so erklärt er uns, folgt das gleiche Spiel wie an fast jeden Tag: „Patrice, ça fait combien“? „Rien Mesdames, c´est mon plaisir“. „Trugarez, Monsieur!“ („Patrice, wieviel kostet das“? „Nichts, es ist mir eine Ehre“. „Vielen Dank, mein Herr!“)

Wir sagen auf Bretonisch Tschüss: „Kenavo!“ und verlassen Concarneau voller intensiver Eindrücke. Soviel steht fest: Im nächsten Jahr kommen wir wieder. Zum Fang mit der Langleine.

 

Hier geht es zum fangfrischen Sardinensortiment aus Concarneau: